Die Liebe und das Schlagzeug

Die Liebe und das Schlagzeug

„Na, ob das Crash Becken genug Sustain hat, das muss ich erst zuhause mit dem Rest meines Sets antesten. Und lass uns nachher nochmal nach den Fellen für meine 16“ Floor Tom schauen.“

Solche oder ähnliche Gespräche finden zwischen Björn und mir statt, wenn wir uns dem einem oder anderen Musikfachgeschäft befinden (kleine Anekdote: Als Björn und ich in den USA Urlaub gemacht haben, statteten wir in fast jeder größeren Stadt einem Schlagzeugladen einen Besuch ab).

Für jeden „Schlagzeugfremden“ erscheinen diese Sätze, und auch diese Besuche, etwas suspekt. Was meint er mit Sustain? Am Anfang unserer Beziehung hatte ich bei solchen Gesprächen häufig den Whatsapp-Smiley vor Augen, der die Stirn runzelt und die Hand an das Kinn legt. Aber mit der Zeit lernt man als Freundin eines Schlagzeugers diese Begrifflichkeiten kennen: Sustain bedeutet beispielsweise, wie lang ein Becken nachklingt. Man lernt außerdem, Geduld bei Musikfachgeschäftbesuchen mitzubringen, da Björn es liebt, dort herumschnüffeln und mit den Mitarbeitern zu fachsimpeln. 

Aber die Beziehung mit einem Schlagzeuger bringt definitiv mehr Vor- als Nachteile! Witze, wie „Der Schlagzeuger ist kein Musiker - haha“ treffen auf die schnuckeligen Trommler definitiv nicht zu.

Zwischen Bassist und Schlagzeuger herrscht nämlich eine Symbiose, die für einen super Klang bei allen Bands und deren Auftritten sorgt. Außerdem ist eine Band ohne Schlagzeuger ja wohl eher der Witz! Man benötigt einfach denjenigen, der den Takt angibt. Sie sind das Kitt der Band und sorgen für den Beat, auf den wir alle so sehnlichst warten.

Ich bin also eine stolze Schlagzeugfreundin - “I got a thing for a drummer“ wie Meghan Trainor mir wie aus dem Herzen singt (darf man hier Popsongs zitieren?).

Neben der Fertigkeiten eines beziehungsweise meines Schlagzeugers lernt man als Freundin allerdings auch, die Musik, die im Radio oder auf Konzerten gespielt wird (ja, durch Björn bin ich auch auf den Geschmack gekommen, auf Konzerte zu gehen) auf ihre Taktzusammensetzung  hin beziehungsweise generell zu analysieren (kleine zweite Anekdote: bei der Analyse sind wir beiden überein gekommen, kein Radio mehr zu hören, aber das nur am Rande). Björn hat mir geholfen, Musik aus einem anderen, schlagzeugtechnischen Blickwinkel zu betrachten und ihren Sinn kritisch zu hinterfragen (work, work, work und so). 

Apropos „Work“ - Björn ist nicht bloß Musiker, er verkauft beruflich auch Schlagzeuge. Das wiederum hat mir als Freundin den Blick auf die Herstellung eines Kits näher gebracht - es gibt beispielsweise „Steam Bent“ Kessel, bei denen Holzstücke mithilfe von Dampf zu einer Snare gebogen werden. Oder man fräst aus einem Baumstammstück eine Snare heraus (das ist sogar für mich als Laie wirklich cool zu sehen, wie aus einem Holzstück ein Musikinstrument entstehen kann, das, um Björns Worte zu nutzen, ordentlich „Wumms“ hat).

Björn gibt sich immer enorm viel Mühe, seinen Kundinnen und Kunden möglichst viele Varianten der Kesselbauung in seinem Laden in Bergheim zum Testen zur Verfügung zu stellen. Er koordiniert deswegen zwischen Herstellern und seiner Kundschaft, um jedes Custom-Schlagzeugprodukt anbieten zu können (als Freundin ist man in dieser Hinsicht ja eher stille Beobachterin, aber ich merke deutlich, wie viele Mails  Björn schreibt und Telefonate er führt, um jede Kundin und jeden Kunden seine Wunschvorstellungen zu erfüllen).

Ich bin also wirklich eine stolze Drummerfreundin, die Björns Arbeit als Musiker und natürlich auch als selbstständiger Händler wertschätzt. Dieser kleine Blog ist deshalb eine kleine Hommage an alle Schlagzeuger, die ihren Freundinnen durch ihre Begeisterung für Rhythmus neue Horizonte im Musikbereich eröffnen.

Aber der Blog soll auch ein kleines Lob für alle Schlagzeugfreundinnen beinhalten, die mit einem kleinen, manchmal vielleicht auch müden, Lächeln ihre Männer dabei beobachten, wie sie mit Sticks und gerunzelter Stirn 30 verschiedene Chinas antesten.


* Lena 


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